Menschen-Bilder

 Armando Spanischer Bergmann in der Mine Pozo Santiago, Asturias.
Arman­do Spa­ni­scher Berg­mann in der Mine Pozo Sant­ia­go, Asturias.

Ich den­ke, die Fotos sind des­halb so inten­siv, weil der Foto­graf es ver­steht, sich zurück­zu­neh­men. Die foto­gra­fi­sche Her­an­ge­hens­wei­se ist zwar nicht unwich­tig, aber nicht Selbst­zweck. Sie dient den Moti­ven und ver­sucht nicht, sie zu usur­pie­ren – weder durch tech­ni­schen Over­kill noch durch bemüht lako­ni­sches, gespiel­tes Des­in­ter­es­se, das der­zeit an vie­len aka­de­mi­schen Foto­schu­len schwer en vogue zu sein scheint.

The fusi­on, the appro­pria­ti­on, the trans­fi­gu­ra­ti­on of beau­ty, grace, and digni­ty, that makes us resem­ble one ano­t­her a litt­le more. A litt­le more eter­nal as well. Lend me your face, let me gaze at you, admi­re you, pos­sess you, take hold of your soul so we can all live wit­hin it, just as the Ame­ri­can India­ns belie­ved they had sur­ren­de­red the essence of their bein­gs, sto­len fore­ver by the lens of Edward Curtis.

Gon­nord ist im bes­ten Wort­sin­ne ein Licht­zeich­ner. Das ist nicht mal beson­ders aus­ge­fuchst. Das Set­up, meist ein »Rem­brandt-Licht«, ist mit ein­fa­chen Mit­teln zu rea­li­sie­ren. Es ist ein Ein-Licht-Set­up aus 45° links oder rechts, mit oder ohne Reflek­tor zur Schat­ten­auf­hel­lung. Beson­ders ist die tie­fe Posi­tio­nie­rung (bis zu 45°) der Licht­quel­le. Das Licht ist rela­tiv stark gerich­tet, nicht dif­fus. Die Kame­ra befin­det sich fron­tal in Gesichts­hö­he. Ver­wen­det wird in den meis­ten Fäl­len ein Objek­tiv, das nicht ver­zeich­net – eine Por­trait-Brenn­wei­te von Zeiss – an einer Has­sel­blad. Das Objek­tiv wird recht stark abge­blen­det. In Sachen Schärfen­tie­fe macht Gon­nord kei­ne Expe­ri­men­te und geht auf Num­mer sicher. Funk­tio­niert trotzdem.

Foto­gra­fiert hat Gon­nord zunächst auf Film (Fuji NPH 400) und ließ die Bil­der scan­nen; spä­ter ver­wen­de­te er ein digi­ta­les Rück­teil an der Hasselblad.

Sicher: Die Gesich­ter machen es dem Foto­gra­fen leicht. Es sind aus­nahms­los gran­dio­se Mensch-Land­schaf­ten, in die man sieht. Sie erzäh­len von einem Leben als Außen­sei­ter – in Armut, als Obdach­lo­ser, als Blin­der, als Zigeu­ner. Der Schmutz und Dreck – bei den spa­ni­schen Berg­ar­bei­ter­bil­dern – tut ein Übri­ges. Authen­ti­zi­tät bei­nah im Über­maß. Es fällt schwer, sich von die­sen Bli­cken zu lösen.

Wenn es also nicht die Tech­nik ist, die die Bil­der zu etwas Beson­de­rem macht, und die enor­me Kraft fast aus­schließ­lich aus den Por­trai­tier­ten selbst kommt – was ist dann die Leis­tung des Foto­gra­fen? Er hat das wohl Schwie­rigs­te getan. Er lässt die Men­schen vor der Kame­ra sein, was sie sind.

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